Royal String Theatre

Mit dem Starßentheater 1200 km durch Deutschland.

Hier die Bilder wie alles Ende 2011 begann. Dem Bleu Monsieur Mustache sei Dank, konnten Niko und ich die alte NEELAN sicher von Limburg nach Köln überführen. Dann wurde gemessen, geplant, gehämmert, gebaut. Aus dem Holz alter Tische und Schränke entstand “The Royal String Theatre”. Weiter unten meine Gedanken und auf dem Blog das Aktuelle – wo ich mich wie befinde.

Liebe Marie,

nun zum Projekt und der Vorgeschichte.
Ich habe Ende letzten Jahres eine alte Indische Rikscha zu günstigen Konditionen erstanden, ursprünglich wollte ich sie als “Rasende Rohkost Rikscha” nutzen: Gemüse / Mören, Gurken, Kohlrabi im Pommesformat, statt Ketchup einen Jogurt Dip, dazu Walnüsse und ein paar Spritzer Zitrone (bin immer noch sicher, dass es der Sommerhit geworden wäre..). So wollte ich meine kurzzeitige Arbeitslosigkeit überbrücken – aber da das Pferd schon alt und die Hürden der Stadt Köln unüberwindbar hoch waren (leider sind sie wirklich unüberwindlich, Alter hin oder her) konnte ich nicht weitergehen. Das war vielleicht gut so, denn sonst hätte ich einen alten, schon fast vergessenen und halb verworfenen Gedanken nicht zu Ende gedacht.
Und da Du Dich ja mit Interventionen auskennst, weißt Du sicher was ich meine, wenn ich sage, dass mir oftmals die Liebe zum Detail in den Straßen der Städte fehlt, zumindest in Köln. Deshalb möchte ich mich auf die Suche machen, andere Städte und Dörfer auf dieses Phänomen hin untersuchen, ein Wagnis eingehen, mich öffnen, ehrlich und nicht abgeklärt, um herauszufinden wie und ob sich Menschen heute berühren lassen. Wie man sie für einen Moment anhält, atmen lässt und vielleicht sogar einen Gedanken los lößt aus den dunklen Tiefen (wobei ich auch nicht zuviel erwarten will).

Alles fing so an, dass ich 2006 ein wenig Straßenmusik gemacht habe, nicht viel, nur ab und zu und nicht sehr überzeugt/überzeugend (hier fehlt mir das rechte Wort, vielleicht schüchtern), denn genau so gerne wie ich es auf der einen Seite mag zu Singen, Gitarre und Mundharmonika zu spielen, bin ich auf der anderen Seite kein Musiker, da fehlt es mir an allen Ecken und Enden.

Was mir aber noch mehr fehlt, bei all den tollen Straßenmusikern die es da draußen gibt, ist eine Illusion, die mich aus dem hier und jetzt herausholt und mich für einen kurzen Moment eintauchen lässt – das hat man nur ganz selten (nicht nur auf Straßenmusik bezogen sondern auch auf all das was uns Tag täglich im öffentlichen Raum begegnet).
Oft stelle ich mir die Frage woran es liegt, bin ich selbst nicht bereit mich zu öffnen, bin ich im falschen Modus, fehlt grundsätzlich der Raum um einzutauchen?
Hier kommt nun der Punkt wo ich mir gesagt habe, so könnte es klappen, so könnte ich meinem Wunsch näher kommen: wenn die Musik nicht im Vordergrund steht. Also, eine Illusion erschaffen – bzw. diese wirlich leben, ich will es ausprobieren, vielleicht klappts ja auch nicht. Aber Dinge die man aus einem tiefen Bauchgefühl heraus tut, können so verkehrt nicht sein.

Das königliche Strippen Theater ist also eine Bühne, hinten auf meiner Rikscha, mit der ich von Stadt zu Stadt ziehe, als menschliche Marionette. An der Vorderseite der Bühne, wenn man von Hinten auf die Rikscha schaut, befinden sich 5 große Hebel an denen Schnüre befestigt sind, die über je drei Seilrollen mit meinen Armen, Beinen und meinem Kopf verbunden sind. Die Rikscha ist bunt, hat Messingbeschläge, Vorhänge, ist Beleuchtung und es brennen Kerzen, es gibt einen Wald und Hasen, einen Fuchs und natürlich Balduin meinen Löwen ohne Fell.

In meiner Hand eine Gitarre, an den Füßen Hupen, Rasseln und Schellen, eine Mundharmonika am Mund, meine Stimme, das wars… Du kannst mich spielen in dem Du die verschiedenen Hebel betätigst, oder alle runter drückst, auf “an” stellst und so den “Automatikmodus” in Gang setzt, das Genrerad drehst, dann Wackelt die ganze Rikscha zum Takt und ich Singe und trage vor, so gut ich kann. Die richtigen Lieder zu finden war gar nicht leicht, denn diese sind natürlich Kernstück, es geht mir um Sprache und um Geschichten die erzählt werden wollen. Da gibts was von Hannes Wader und Hildegard Knef, von Gerhard Gundermann und Gerhard Schöne, von Schmeckenberger, Vahle und Kreisler, von Wolf Biermann und Bierhorst, Georgette Dee, Manfred Mauerbrecher, Reiser, Dylan, Guthry, Reinhard Mey, Tom Petty, was ganz altes, was türkisches, noch mehr Deutsches und ich bin noch auf der Suche..)
Ende Juli will ich los, bis Mitte Oktober, den Rhein hoch, den Neckar entlang, übern den Schwarzwald und die Nagold nach Ulm, dann die Donau runter und so weit wie ich komme.. kaum Gepäck, mein Marionettenanzug, eine Teekanne, und ein Kocher, naja, und ne Menge Werkzeug. Dort schlafen wo ich aufgenommen werde und die Augen offen halten. Und ich will schreiben was ich erlebe und noch ein paar andere Dinge tun.

Die Kommentarfunktion ist geschlossen.