Die Alb liegt vor mir

Gestern habe ich Nagold erreicht, das Tor zum Schwarzwald und Schauplatz der diesjährigen Bundesgartenshow. Hier habe ich mich ein wenig rumgetrieben und ein sehr kurzes Gastspiel gegeben, bevor Regen, Donner und Blitze ihren Auftritt hatten. So hatte ich jedoch genug Zeit um meine weitere Reise zu planen, denn, eine Entscheidung musste her. Soll ich den Weg über die Schwäbische Alb wagen, oder soll ich einen großen Umweg in Kauf nehmen und dem Neckar Strom auf bis zur Quelle der Donau folgen?
Dank gutem Kartenmaterial und einer 3D topographie App habe ich eine, mir scheint, gute Route über die Alb ausfindig machen können. Dennoch heißt es ab heute erstmal Berg auf – aber bin ich einmal oben, habe die Rikscha auf 800 Meter gebracht, dann gehts auch irgendwann bergab…

Außerdem auf den Fotos: das Highlight meines Tages, eine Bergbachgekühlte Orangina, mein Schlafplatz am Fluss und eine Holzverarbeitungsfabrik.

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Zu Besuch bei Hermann

Da mir die letzten Tage, trotz Hotelbett und Garagencoutch, noch ganz schön in den Knochen hingen, der Schwarzwald hat’s wirklich in sich, beschloss ich den gestrigen Tag der Kultur und Regeneration zu widmen.
Es war nur ein kurzer Weg bis in die Innenstadt Calws, zum Museum und Geburtshaus Hesses. Wie sich bald herausstellte, hatte sich der Weg hierher schon wegen des Museums gelohnt. Die Ausstellung befand sich in acht Räumen eines alten Hauses, welches am oberen Ende des Marktplatzes stand, an dem sich auch Hesses Geburtshaus befand. Das Ausstellungskonzept führte den Besucher durch die acht Räume und somit chronologisch durch durch die Kindheit, Jugend, die Kriegsjahre und verschiedene Schaffensphasen des Schriftstellers.
Nach so vielen Eindrücken war mir nach Ruhe zumute. Ich spazierte noch ein wenig durch die Stadt, bis ich mich wieder aufs Rad setzte und der Nagold Strom auf folgte. Da es schon spät am Nachmittag war und die Stadt Nagold noch gut zwei Stunden entfernt lag, entschloss ich mich, die Nacht auf dem am Flussufer liegenden Campingplatz “Carpe Diem” zu verbringen. Mit meinen Italienischen Platznachbarn verbrachte ich noch einen wunderbaren Abend, bis ich gegen Mitternacht in meinem Zelt verschwand.

Außerdem erhielt ich gestern, gleich zwei Mal e-mail Post, von Menschen die mir auf meinem Weg begegneten und mir nun Fotos schickten (Weinberge Loreley und Schwarzwald) – auf diesem Wege herzlichen Dank an, Hans und Gisela, und an Ellinor, Michael und Frauke!

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Von einem Paradies ins Nächste – Der 50ccm Club Calw

Zwei Paradiese ganz unterschiedlicher Art in so kurzer Zeit kennen zu lernen, die einerseits gänzlich verschieden in ihrer Anmutung sind und andererseits eine große Gemeinsamkeit haben – die tollen Menschen die in ihnen leben – passiert sicher nicht alle Tage.

Heute morgen habe ich den Liebenzeller Adler und meine wunderbaren Gastgeber verlassen. Meine erste Anlaufstelle war der “Holländer”, der Automechaniker im Ort, denn die Rikscha war immer noch nicht fahrbereit. Nach kurzem Schiebemarsch hatte ich die Werkstatt erreicht, in wenigen Minuten war das Problem erkannt und mir wurde geholfen. Man unterbrach die Arbeit und setzte einige Schweißpunkte. Begeistert von der Hilfsbereitschaft setzte ich meine Reise fort. Mein heutiges Ziel: Calw, die Geburtsstadt Hermann Hesses.
Ich hatte den Radweg gerade erreicht, als es einen fürchterlichen Rums gab – was war geschehen? Ich sprang vom Rad ab und schaute unter die Ladefläche. Durch die vorgenommene Manipulation des Hinterantriebs, das Festschweißen des Ritzels am Freilauf, hatte sich die zusammengeschweißte Konstruktion vom Verbindungsstück zur Hinterachse gelöst und sich in dieser, aufgrund eines innenliegenden Gewindes, festgefressen… Es war eine Katastrophe! Wieder war schieben angesagt. Einige Zeit später erreichte ich Calw.
Ich fragte ob es hier wohl einen Schweißer gäbe und man schickte mich zu Salvatore Aranzulla. Nach einer halben Stunde des Wartens, erschien Herr Aranzulla und teilte mir mit, dass er wohl der Falsche sei und sagte mir, ich solle es drüben beim Eberhard probieren. Beim Eberhard angekommen, dauerte es eine Weile bis er sich meinem Problem annahm und während ich wartete, tauchte aus einer anderen Ecke ein Moped auf, es folgte eine weitere Person und wir kamen ins Gespräch und um mir das Warten zu erleichtern, lud man mich zum kühlen Bier. So lernte ich Gabi, Hoffy, Erik und Björn kennen und somit den 50ccm Club Calw e.V.

Schnell war klar, dass wir uns gut verstehen würden und so erhielt ich das Angebot die Nacht dort verbringen zu können – dort hieß, in der Schraubergarage des Clubs, besser gesagt den Garagen. Es waren mehrere aneinander liegende und miteinander verbundene Holzschuppen, die liebevoll ausgebaut waren und gleich am Ufer der Nagold lagen. Also Schrauben, Basteln und Werkeln auf der einen, Angeln auf der anderen Seite – Wow. Hier gab es einige Schlafmöglichkeiten und während der Sommermonate war dieser Ort auch Wohnstadt des Clubs. Es roch nach Zweitaktgemisch und Kettenfett, an den Wänden hingen Nummernschilder und Werkzeuge aller Art. In jeder Ecke fiel der Blick auf einen anderen Gegenstand, von dem oftmals nicht gesagt werden konnte, worum es sich dabei wohl handle und es gab kaum einen Gegenstand, ganz abgesehen von den Maschinen, unter dem sich keine Räder oder Rollen befanden. Der Tisch hatte Rollen, das Sofa auch und selbst die alte Zinkbadewanne, für die es eine Feuerstelle und einen großen Wasserkessel gab in dem das Flusswasser erhitzt wurde, um anschließend ein Bad nehmen zu können.
Die große Leidenschaft des Clubs waren 50ccm Simson Maschinen, von denen es dort eine Menge gab. Zum Großteil Umbauten, die kaum noch als Simson zu identifizieren waren. Die Maschinen hatten Namen wie Eisbär, Die Kleine, Das Blumenmädchen, Spiderman, Der kleine Scheißer usw. Was den Club aber auch auszeichnete, war die Gemeinschaft.
Und obwohl ich noch nicht weit gekommen war, mir die Menschen, der Ort und das angebotene Boule Spiel aber zu gut gefielen, viel die Entscheidung das Übernachtungsangebot anzunehmen, nicht schwer. So verbrachten wir einen schönen Tag, spielten Boule, tranken Bier, ich reparierte meine Bremsen, wir grillten und erzählten Geschichten.
Und als ich in meinem Schlafsack im Gästebett lag, den Kühlschrank im Nebenzimmer Brummen hörte, war mir sehr wohl zumute.

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Die Flüsse werden kleiner, das Wasser wird kälter und die Berge werden höher.

Aufgrund verschiedenster Ereignisse, konnte ich die letzten beiden Tage nicht schreiben, hier nun der Nachtrag:
Mit einem Ziel vor Augen brach ich vorgestern, in aller Frühe, in Nordheim auf. Ich packte meine Sachen und verließ den Bauwagen in dem ich so wunderbar geschlafen hatte. Bad Liebenzell sollte Zielort meiner heutigen Tagesetappe sein. Der im Nordschwarzwald liegende Kurort war fast 60 km entfernt, aber hier war Danni, eine Freundin aus Köln, bei Ihren Eltern, die ein Hotel betreiben, zu besuch und mit der Aussicht Danni wieder zu sehen und im richigen Hotelbett die Nacht verbringen zu dürfen, trat ich meine Fahrt an. Um 7.30 klingelte also mein Wecker. Die Morgensonne war gerade über die Baumwipfel gestiegen und sogleich begannen die Enzauen, die von einer dichten Tauschicht überzogen vor mir lagen, zu dampfen. Die Strecke zog sich und mit jedem Kilometer wurde es heißer. Die Apfelbäume hatten aufgrund der anhaltenden Hitze schon manchen Apfel abgeworfen, dem Mais fehlte das Wasser und über dem asphaltierten Radweg flirrte die Luft. Und wenn ich an eine Steigung kam und den Karren mit aller Kraft, in der prallen Sonne, Schritt für Schritt nach oben zog, mir der salzige Schweiß in die Augen lief, musste ich an Silvester Stallone denken – denn mir kam es so vor, als würde ich mein Gesicht verziehen wir er, wenn er unter größter Kraftanstrengung was auch immer tut. Immer wieder sprang ich, meine Klamotten am Körper, in das kühlende Wasser der Enz – danach ging’s nass aufs Rad und nach einer guten Stunde, nun wieder trocken, wiederholte ich den Akt. Am frühen Nachmittag hatte ich Pforzheim erreicht, fast 40 km lagen hinter mir und ich war von der Hitze erschlagen, hatte Hunger und wolle nur noch in den Schatten. Nach einem Schnitzel mit Pommes schlief ich am Flussufer ein. Gegen 18 Uhr, ich hatte mich gerade aufgerafft um weiterzufahren, machte es knack und mein Freilauf war hinüber – nun ließen sich die Pedalen, nach vorne wie nach hinten, ohne Wiederstand drehen. Ich musste also schieben. Verließ nun das Ufer der Enz und folgte der Nagold – der Fluss an dem der Holländer Michel zu hause ist und von dem Hermann Hesse in vielen seiner Werke erzählt. Kurz vor 22 Uhr, in den Wâldern war es schon dunkel geworden, erreichte ich mit letzter Kraft mein Ziel.

Der Liebenzeller Adler lag vor mir und ich durchfuhr das große, schmiedeeiserne Tor. Was nun folgte war wie in einem Traum, Eiswasser und Weißweinschorle, Seeteufel im Speckmantel dazu Pfifferlinge und Salat und danach ein eigenes Zimmer. Für einen kurzen Moment hörte ich, bei offenem Fenster auf meinem Bett liegend den Bach rauschen, dachte an all die Menschen die mir begegnet waren, dann schlief ich ein.

Am nächsten Morgen tat mir alles weh. Waden, Knie, Oberschenkel und ich war mehr als froh, das mich Danni und Ihre Mutter mit in den Elsass nehmen wollten. So verbrachte ich innerhalb meines Urlaubs einen wunderbaren Urlaubstag in Frankreich, der mit einem leckeren französischen Vespermahl endete. Noch vom Vortag erschöpft, schlief ich in meiner zweiten Hotelzimmernacht noch tiefer und fester.

Was heute passierte und noch passiert erfährt ihr später.

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Hitzejoker – Heute gibts nur Bilder

Also ganz kurz: In aller Frühe habe ich den Bauernhof verlassen und habe den Tag, trotz der Hitze, des Strecke machens gewidmet. Ich bin den Neckar weiter Strom auf gefahren und gegen Mittag folge ich der Enz, die mich morgen nach Pforzheim führt. Nun liege ich auf dem Boden eines alten Bauwagens, habe den Abend mit tollen Menschen verbracht und danke allen die mich heute so wunderbar unterstützt haben, mit Zimmerwarmem Radler, Weinschorle, Bauchspeck und Ledertips. (falls dies der Mountainbikefahrer ließt, der mal Rennen für die polnische Nationalmannschaft Gefahren ist, bitte schreib mir doch eine Mail) – außerdem hänge ich noch die Bilder an, die gestern gefehlt haben.

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Zwischen Jauchegrube und Futterscheune

Nach einem langen und heißen Tag auf dem Rad, einigen Unwegsamkeiten die ich dank Achim meisterte, dem Verlust meiner gesamten Bremsanlage und einem schönen Auftritt mit sehr neugierigen und aufgeschlossenen Passanten in Heilbronn, habe ich nun den vielleicht schönsten Schlafplatz meiner bisherigen Reise gefunden.
Da ich nach meinem Auftritt noch Strecke machen wollte, habe ich Heilbronn kurzerhand verlassen und bin gefahren bis nichts mehr ging. Ich fragte beim Bauern nach einem Stück Wiese für mein Zelt und erhielt neben einem wunderbaren Schlafplatz, hinter der Futterscheune, eine frisch gemolkene Flasche Milch, selbstgebackenes Brot und eine Schüssel frisch gepflügter Tomaten. Und während ich nun im Zelt liege, der alte Hofhund draußen seine Runden dreht und ein warmer Wind von der Kuhstallung herüberweht, fühle ich mich sehr sehr wohl.

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Ein Fuchs, eine Wagenburg, drei Franzosen, ein Blitz und mein Interview

Bericht vom 16.08.2012

Nach einer verregneten Nacht und einem Morgen ohne eigenes Frühstück – während ich schlief, hatte ein Fuchs mein 750 Gramm Dinkel Vollkorn Brot mit sich genommen, halfen mir meine tollen Zeltnachbarn aus Dresden weiter. Sie gaben mir neben Ihrem Brot noch einige Ratschläge für die vor mir liegende Etappe, dann brach ich auf.
Nach kurzer Fahrtzeit über autofreie Straßen entlang des Neckars und durch den angrenzenden Wald, in dem ich ein tolles Gespräch mit einem Paar aus der nähe von Stuttgart hatte (bitte schreibt mir doch noch Eure Adresse wenn Ihr das lest), erreichte ich das erste Highlight meines Tages, das Naturfreundehaus Zwingenbergerhof. Ein wuderschönes Gelände mit Wald auf der einen und dem Neckar auf der anderen Seite. Neben einem Gasthaus und einer Campingwiese, gibt es eine kleine, Bauwagensiedlung mit liebevoll ausgebauten Wagen, in denen man übernachten kann, dank Bolleröfen sogar das ganze Jahr. Außerdem gibts guten Kaffee und sehr sehr nette Menschen.
Kurze Zeit später, überquerte ich den Neckar und folgte dem Radweg an einem Feld entlang, als ich an etwas vorbei fuhr – irgendein Gedenkstein dachte ich und war schon im Begriff weiter zu fahren, als mir wieder mal bewusst wurde, das ich ja auf Reisen bin und genau für solche Dinge Zeit habe – Zeit die man sich viel öfter nehmen sollte. Ich fuhr also zurück und las folgenden Text:
Am 13. September 1821 wurden hier unter einem Birnbaum von Blitz getroffen: Fiedel Dehner, Vater Johann Dehner, Sohn Friedrich Dehner, Sohn Jacob Hauth, Herrmann Hauth, Ferdinand von Ritterburg, reisende Musiker aus Thanheim im Lechingenschen und Johann Dehner Sohn, augenblicklich getötet (auf dem Foto ist der restliche Text zu lesen).
Nachdem ich nun so da stand, mir den Gedenkstein und die umliegenden Hügel und Felder ansah, kam es mir so vor, als könne ich die Musiker, die damals auf Reisen waren, so wie ich heute, hören. Auch wenn es mehr als 190 Jahre her war, hatten sie einen Großteil der Landschaft doch so wahrgenommen wie ich und so fühlte ich mich, den von dem Blitz getroffenen, für einen Moment sehr nah. Einige Zeit später fuhr ich weiter und traf drei junge Franzosen, die aufgrund einer Radpanne verzweifelt am Wegesrand standen. Mit meiner nun immer größer gewordenen Zweirad Kenntnis und meiner Weinkiste voller Werkzeug, konnte ich jedoch weiterhelfen und das Rad reparieren (ein sehr gutes Gefühl). Durch all die Hügel, Gespräche und Erlebnisse, erreichte ich aber erst spät einen direkt am Neckar liegenden Campingplatz. Ich baute mein Zelt auf und angelte mir, wie am Vorabend, noch ein paar Barsche. Nach dem Essen schlief ich ein.

Ach ja, ich hatte ganz vergessen auf das Interview hinzuweisen! Hier der Link:

http://www.allgemeine-zeitung.de/region/hochschulen/uni-leben/12309685.htm

www.facebook.com/campusleben (war Mittwoch im der Zeitung)

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Mango am Hang und ein komisches Dorf

Die einzigen Radfahrer die mir jetzt noch begegnen, sind unbepackte Rennradler, die Teils voller Mitleid, teils voll Hochachtung, ihre Hand zum Gruß heben und manchmal noch ein: “reschpekt” hinzufügen. Aber genau das spornt an und dann bin ich, wenn ich in den Pedalen stehend den Bergrücken erreiche, auch ein bisschen stolz auf die Rikscha, das sie all das mitmacht.
Ich hätte mir die Strecke Neckaraufwärts nicht so belastend vorgestellt, ein ewiges auf und ab das gegen Mittag das erste Opfer forderte – mit einem lauten Knack verabschiedete sich mein selbstgebauter Bremsenersatz – jetzt arbeite ich an einer neuen, besseren Version.
Allerdings hatten die Steigungen auch ihre guten Seiten. Dort habe ich nämlich Elmar kennengelernt, der mir mit seinem Auto nachfuhr und mich mit einer Tüte getrockneter Mango, Ingwerbonbons, etwas Kleingeld und vielen motivierenden und nette Worten versorgte.
Gegen 15 Uhr erreichte ich Eberbach, ein kleines Städtchen 30 km Süd-Östlich von Heidelberg. Hier wollte ich bleiben und den Abend angelnd verbringen. Da ich aber gut in der Zeit lag, entschloss ich mich zu einem Gastspiel im Ort. Ich folgte den Schildern Richtung Ortsmitte und entschied mich, nachdem ich mich umgesehen hatte, auf dem Marktplatz loszulegen. In diesem kleinen Städtchen gabs zwar eine Art Fußgängerzone, in der sich einige Läden aneinander reihten, aber hier gab es keinen wirklichen Betrieb. Die Eberbacher waren bei diesem Wetter entweder im Freibad oder saßen im Eiskaffee am besagten Marktplatz. Als ich den Platz mit der Rikscha befuhr, wurde ich freundlich begrüßt. Als ich, in gebührendem Abstand zum Eiskaffee die Rikscha für den Auftritt umbaute, sah man mir noch gespannt zu. Aber als ich den Spendenkoffer öffnete und bereit war loszulegen, war das Interesse verflogen. Es war wirklich merkwürdig und da ich ja noch nicht allzuviele Erfahrungen gemacht habe, kann ich garnicht sagen, ob es nun an den Leuten oder am Ort lag – Wobei ich mit dem Ort die Gesamtsituation meine. Es ist definitiv ein Unterschied, ob man dort spielt wo Passanten vorbei gehen, oder dort wo sie im Kaffee sitzen. Ich habe schon das Gefühl, das viele Menschen meine Arbeit irgendwie schätzen und auch gerne bereit sind mich mit einer Spende zu unterstützen, doch wollen sie dies alleine tun und nicht dazu aufgefordert werden. Vielleicht auch eine Deutsche Angewohnheit, das finde noch raus.
Ich habe mich bei diesem Auftritt das erste mal ein klein bisschen aussätzig gefühlt. Während ich in den anderen Städten und ganz besonders in Mainz das Gefühl hatte aufgenommen und gemocht zu werden, war das Szenario in Eberbach ein ganz anderes.

Ich bin gespannt was die nächste Stadt bringt.

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Mehr Platz für den Fisch.

Heute Abend gabs frischen Neckar-Fisch. Den Tagesbericht von heute gibt’s morgen, denn ich will, nach einer harten Bergetappe, nur noch schlafen.

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Auf der Bergstraße nach Heidelberg

Nach einer wunderbaren Nacht in einem großen Bett, führte mich mein heutiger Reisetag, die Bergstraße entlang, nach Heidelberg. Da ich schon früh mit Jan und Gene das Haus verließ, war ich kurz vor 12 Uhr am Zielort angelangt und war begeistert. Die Plätze und Brunnen, der Neckar und die Geschäfte, all die Studenten die die Stadt belebten – hier passte die Rikscha gut hin. Aber als ich mich erkundigte, wo ich gut spielen könne, riet man mir, besser bei der Stadt nachzufragen. Das Ergebnis meiner Erkundigungen war nicht wirklich motivierend. Zwischen 10 und 16 Uhr, gab es nur einen Platz in der Altstadt, an dem Straßenmusik geduldet wurde und dieser Ort war mit Abstand die schäbigste Stelle die ich bislang von Heidelberg gesehen hatte. Am Busbahnhof, gleich vorm Kaufhof, neben der Litfaßsäule mit der Mc Donalds Reklame. Hier war es laut und die Stimmung wenig entspannt. Als ich ankam, saß schon ein Akkordeonspieler am Platz, der das Feld jedoch bald räumte, denn jedem Künstler war nur eine Spielstunde gestattet. Ich baute auf und begann mein Programm, das entgegen aller Erwartungen wirklich Spaß machte. Zum Schluss spielte mich ein kleiner Junge, unter lautem Lachen, für zwei oder drei Minuten und als er fertig war, war ich es auch. Er hatte die Hebel in den verschiedensten Kombinationen mit steigendem Thempo und recht unrhythmisch auf und ab gerissen und mir alles abverlangt. Als ich mich dann aus meiner Marionetten-Verankerung gelöst hatte, hatte er sich auch vom Arm seiner Mutter gelöst und stand wieder vor mir und konnte nicht begreifen, warum die Maschine nicht mehr funktionierte “kaputt” – später versuchte ichs noch auf der Brücke außerhalb der Altstadt, das war schöner. Am Nachmittag fuhr ich dann noch einige Kilometer hinaus aus der Stadt und liege nun am Ufer des Neckar, in meinem Zelt.

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