Ein Konzert für die Bauarbeiter

Gestern Abend und heut Morgen ging’s zum Spiel auf die Straßen und Plätze von Straubing, einem kleinen netten Städtchen auf unserem Weg nach Passau. Nach einer Kaffeepause fuhren wir weiter. Unser Weg führte uns immer wieder an die Ufer der Donau, mal ging’s an diesen entlang, mal durch das weite Donautal an Maisfeldern vorbei, unter einem tiefblauen Sommerhimmel..
Fortsetzung folgt

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Hinkende vergleiche und eine wunderschöne Stadt

Der Ruf der Regensburg vorauseilte – mehrere Leute hatten mir schon von der “nördlichsten Stadt Italiens” erzählt – bestätigte sich. Eine traumhaft schöne Altstadt mit Pflastersteinstraßen, vielen kleinen und großen Plätzen, Brunnen, Cafés und einer großen Menge Menschen, die es sich offensichtlich gut gehen ließ.
Doch der Weg nach Regensburg war kein leichter. Das Highlight der 55 km Etappe lag auf halber Strecke, der Donaudurchbruch bei Weltenburg. Hier zwängt sich die Donau durch die Weltenburger Enge, ein 5,5 km langes Kalksteinmassiv. Das schöne an dieser Stelle, der Radweg geht auf der Donau entlang. Fahrradfähren durchfahren die Schlucht, man kann sich erholen, etwas essen und die hohen Berge links und rechts liegen lassen.
Doch welch ein Schreck! Als ich das Kloster Weltenburg und die Schiffsanlegestelle erreichte, musste ich feststellen, dass die Rikscha zu breit war und nicht auf den Anlegesteg passte – ich musste also übern Berg, das Massiv hinauf. Ich suchte mir eine Bank und nahm mein Frühstück, welches ich mir für die Bootsfahrt aufgehoben hatte. Dann ging’s hinauf. Mit einer Autofäre auf die andere Seite, ich folgte dem Limes Wall Wanderweg, 150 Höhenmeter.. Es war warm und meine Beine schmerzten, diesmal war niemand da der helfen konnte und immer wieder gingen mir die Bilder von Fitzcarraldo durch den Kopf, es war also ein sehr mühsames Unterfangen.
Als ich am späten Abend in Regensburg eintraf, war ich platt, nun dachte ich nicht mehr an Kinski sondern an Lucky Luke, der Held meiner Kindheit, der dem Sonnenuntergang entgegen ritt – einziger Unterschied: Ich bewegte mich gen Osten, weg vom Sonnenuntergang und fühlte mich nicht wie Lucky Luke sondern wie Jolly Jumper.
Die Campingplatzbesitzer und Thomas, den ich schon am Vortag getroffen hatte, bereiteten mir einen herzlichen Empfang, dann schlief ich ein.
Am nächsten Tag ging’s in die Stadt, bevor ich jedoch mit dem Straßentheater beginnen konnte, musste ich die Rikscha, den für Straßenmusik und Straßenkunst zuständigen Personen der Regensburger Behörde, vorführen.
Ich erhielt meine Lizenz und legte los. Ich spielte einige Male, ging mit Thomas Mittag essen, spielte weiter und holte gegen Abend, gemeinsam mit Kalle, einem Regensburger Künstler, ein Fahrrad ab, welches ich bei E bay erstanden hatte – ein Fahrrad für Marie, die am nächsten Morgen, in aller Frühe Regensburg erreichen würde.

Es ist Freitag – Marie ist da!
Wir verabschiedeten uns von Thomas, der sich nun auf die Weiterreise Richtung Budapest macht und gingen schwimmen, lagen in der Sonne und verbrachten den Abend mit Kalle, zogen über die Regensburger Herbstdult, dass Pendant zu den Münchner Wiesen, aßen Stockfisch und bewunderten das Feuerwerk – ein schöner Abend.

Gestern ging’s dann weiter, Richtung Passau, bis kurz vor Straubingen, wo wir bei einem netten Bauern auf einer Wiese übernachteten dirften und der uns noch einige Äpfel und Pflaumen mit auf den Weg gab.

Jetzt haben wir in Straubigen selbst eingecheckt und liegen im Schatten eines Baumes und verbringen die kommende Nacht auf dem Campingplatz

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Zwischenbericht

Eigentlich wollte ich schon längst geschrieben haben, doch die letzten Tage waren so turbulent (Reparaturen, Organisatorisches und und und), dass ich’s nicht geschafft habe. Hinzu kommt ein mieser Rückenschmerz, der irgendwann heute Mittag einsetzte, von der unteren Wirbelsäule ins linke Bein ziehend.. Versuch nun mit Wärmeumschlägen und Voltaren gegen zu steuern.

Nun ja, jetzt bin ich in Regensburg, zwei harte und anstrengende Radfahrtage mit nur wenigen Stunden schlaf, etlichen Kilometern auf Schotterwegen und unerwarteten Höhenanstiegen liegen hinter mir.

Es hat sich wie folgt zugetragen:
Dienstag morgens klingelte um sechs
in der Früh mein Wecker. Da mir meine Vorräte ausgegangen waren, hatte ich noch am Abend zuvor, eine Angelerlaubnis für den Auwaldsee bei Ingolstadt erworben. Ich wollte diesmal mit dem Angeln beginnen, einen Mittagsfisch fangen und so gestärkt, die Fahrt fortsetzen.
So stand ich noch recht verschlafen, am Ufer. Der See lag mit seinem kristallklaren Wasser vor mir, es war ein wunderbarer Morgen. Ich ging eine Weile, bis ich eine vielversprechende Stelle fand und schon beim dritten Wurf, genau um 6.22 Uhr, ging ein harten Ruck durch meine Angel und kurze Zeit später lag mein Mittagessen vor mir – ein Barsch jenseits der 40 cm. Bon Jour. Aber was nun? So früh hatte ich nicht mit solch einem Fang gerechnet – doch um so besser, nun konnt ich mich entspannen, beim Frühstück auf nem Steg.
Bald ging die Reise weiter, Richtung Regensburg, ich wollte so weit wie möglich kommen, doch kam nicht weit. Zuerst wars das Tretlager und die Pedalen die mir sorgen bereiteten – doch dank Zweiradmeister Schmidmeier, der meine Rikscha wieder fahrtüchtig machte und mir noch viele Tipps und Teile mitgab, ging’s vorerst weiter.
Ich war noch nicht weit gekommen, da krachte es – was war nun geschehen – erneut hatte sich das Antriebsritzel gelöst, war gebrochen, so ein Mist. Ich begann zu schieben. Es wurde schon dunkel als ich Neustadt erreichte. Hier und dort fragte ich Bauern ob man einen Schweißer kenne, klingelte an manchen Türen, die verschlossen blieben und wusste nicht weiter. Dann gabs einen ersten Hinweis. Der Installateur im Ort könne schweißen und ich solle doch, da nun niemand mehr vor Ort wäre, am nächsten Tag, kurz vor 7 Uhr, bereit stehen.

Klamme Nacht – nächster Tag
Um kurz vor sieben stand ich bereit. Das Zelt war noch nass, meine Kleidung klamm und man konnte mir nicht helfen. Verwies mich aber zum Landmaschinenhersteller Dieteich und Scheuerle am anderen Ende des Dorfes. Hier war ich richtig! Dank der tollen Besatzung, die alles gab um mein Gefährt unkaputtbar zu machen (es sieht so aus als wäre das A-Team am Werke gewesen) ging die Fahrt weiter. Ich wollte Regensburg erreichen. 55 Kilometer lagen vor mir.
Vorbei an Hopfenfeldern, Störchen und kleinen Schlangen die sich auf den Schotterpisten in der Mittagssonne wärmten, ging’s dem Donadurchbruch bei Eining entgegen.

Fortsetzung folgt.

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Bericht von dort wo man “Servus” und “Grüß dich Gott wohl” sagt

Einige Kilometer vor Ingolstadt hatte die Sonne, nach fünf tägiger Abwesenheit, ihr großes Coming Out. Mit einem Mal war wieder Sommer. So habe ich Ingolstadt gegen Mittag mit warmen Schultern erreicht – durch die Auwälder, vorbei an alten Eichen, Fröschen, Schwarzspechten und Rehen – wer weiß was man noch so alles sehen könnte, würde man sich lautlos fortbewegen!
In Ingolstadt angekommen trübte sich allerdings meine Stimmung, es hieß, man müsse einen Antrag auf die Ausübung von Straßenmusik bei der Stadt beantragen. Schon sah ich mich mit einer Wartemarke im überfüllten Wartesaal des Bürgeramts sitzen und der schöne Tag wäre vorbei noch ehe er richtig begonnen hatte.
Doch alles kam anders. Nach einem Anruf bei der Stadt, bei dem ich fragte, wie ich nun vorgehen müsse,
wurde ich mit Frau Landmann verbunden und kurze Zeit später, stand ich im vierten Stock des Ingolstädter Tiefbauamts, in der Abteilung Wegerecht vor Zimmer 402 und klopfte an. Eine überaus nette Dame half mir weiter, von Bürokratie keine Spur und eh ich mich versah, hatte ich die nötigen Unterlagen in der Hand.

Wieder auf der Straße begegnete ich Ralf, Inhaber des Maximilian und er lud mich zum Milchkaffee und Tomaten-Mozarella-Toast. Was für ein Start und was für ein Toast.

Kurz nach drei ging’s dann in die Fußgängerzone und vor lauter Übermut spielte ich vier mal. Am Ende traf ich eine Straßenmusikerin, die gerade von Ihrer Deutschlandtour heimgekehrt war und mir eines ihrer eigenen Lieder “The Riksha Man” vorspielte – Weltklasse.

Nun sitze ich am Auwaldsee und freue mich aufs Bett.

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Die Reise geht weiter – vorbei an Iller und Lech und den Türmen mit den Zwiebeldächern

Die Reise geht weiter.
Was war also passiert in den letzten Tagen?!
Am Mittwoch, den 29. August, fuhr ich, von der Südwest Presse angekündigt, gegen Mittag in Ulm ein und ich muss sagen, dass es schon ein sehr schönes aber auch sonderbares Gefühl war, die Leute über mich reden zu hören “das ist der Marionettenmann” und “der will bis nach Wien, heut morgen stands in der Zeitung” – im großen und ganzen war alles wunderbar. Noch schien die Sonne und da ich Zeit hatte – in Ulm durfte erst ab 16.30 Straßenmusiziert werden – zog ich durch die Gassen, schaute mir das Ulmer Münster an und traf Michael, der Mann mit dem wohl besondersten Fahrrad Ulms – ein Schöpfungswerk – wie er es nannte und da musste ich ihm zustimmen. Wir fuhren gemeinsam durch die Straßen und Michael, gebürtiger Ulmer, erzählte mir von seiner Stadt.
Gegen Nachmittag spielte ich zwei Mal und entschloss mich, da für die Nacht und die nächsten Tage starker Regen angekündigt war, meine Auszeit im Hostel zu verbringen.

Mehr als zwei Nächte waren nicht drin. Trotz Regen. Ich bezahlte mit einem Haufen Silbergeld und schwang mich auf den Sattel.
Von Ulm aus ging’s nach Dillingen, von dort nach Donauwörth und heute habe ich Neuburg, 20km westlich von Ingolstadt, erreicht.

Es ist kalt geworden und nass. Den Schlafsack, den ich mir vor zwei Jahren bei Aldi gekauft habe, er war als Restposten von 14,99 auf 7,99 reduziert, habe ich gegen einen besseren eingetauscht.
Von einer blauen Donau kann man nicht mehr sprechen. Riß, Iller, und Lech haben große Mengen von schlammigem Wasser aus den Höhen der Alpen zu Tal gebracht. So strömt die Donau nun, mit leichtem Hochwasser und mit Treibgut beladen, braun eingefärbt, an mir vorbei.
Was hingegen nicht mehr fließt, weder braun noch sonst wie, ist mein Waldhonig, einst eine Zierde, golden und klar im fluss, hockt er nun, kristallin und wenig ansehnlich, auf dem Grunde des Glases. Auch die Holzluke meines doppelten Bodens, hat sich aufgrund der Kälte dermaßen verformt, dass sie sich nur noch mit größter Mühe öffnen und schließen lässt.
Beim zusammenpacken des Lagers konzentriere ich mich darauf, die Sachen in Plastiktüten zu packen und nach Feuchtigkeitsgrad zu sortieren – Zelten im Regen passt einfach nicht!

Doch gerade wegen der widrigen Bedingungen, der diesigen Luft, den matten und trüben Farben, wirkt alles, auf eine sehr sonderbar morbide, plötzlich sehr herbstliche Art, auf seine Weise schön. Die Bauern hatten die letzten warmen Tagen genutzt um das Heu einzufahren. Nun turnen die Bussarde auf den nassen grauen Stoppelfelder, Kartoffeln werden gehäufelt und es riecht hier und da nach Kaminfeuern.

So, schluss mit den Herbstgedanken! Noch ist Sommer und ich bin unterwegs!

Also, bis bald.

Auf den Bilder, meine Anfahrt nach Ulm, Michael und Michael und Eindrücke der letzten Tage.

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Zeitungsartikel und Regenzeit

Von wegen ein paar Tage Urlaub nehmen.. Mit dem nicht mehr schreiben kam der Regen.
Und weil ich vor drei Tagen von einem Bauern mit den Worten: “Na, gude moge, da hätts a riese Bericht in de Zeidung gehäbt übe si!” geweckt wurde, gibts jetzt, bevor es weiter geht mit meiner Reisegeschichte, die noch ausstehenden Zeitungsartikel aus Mainz, Ehingen und Ulm – in Ehingen hat’s sogar zum Aufmacher der Südwest Presse Website gereicht.

Zur Zeit befinde ich mich hinter Donauwörth und breche morgen Richtung Ingolstadt auf.

Gute Nacht.

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Schreibpause und Rikschadreisatz

Liebe Freunde,
ich befinde mich kurz vor Ulm und nachdem ich nun die Donau (mein erstes geheimes Etappenziel) erreicht habe, werde ich eine Schreibpause einlegen und einige Tage Urlaub machen, an meinem Bühnen Repertoire arbeiten, auf den Straßen spielen und die Beine hoch legen. Ich werde mir natürlich meine Notizen machen und zusammenfassen was geschah.

Damit Ihr aber in den Tagen ohne meine Meldungen dennoch Beschäftigung habt, gibts folgende Aufgabe, die mir vor einiger Zeit, nach einer brutalen Schlaglochpassage in den Sinn kam (leider zeigt das Foto nicht die besagte Stelle, denn da ging’s bergab und mir war nicht nach fotografieren zumute) aber es gibt sowieso kaum einen Weg ohne Rikscha Schikane..

Also:
Rikscha Dreisatz – wo waren die Schulaufgaben, die einen im Leben weitergebracht hätten?
Um zu verdeutlichen, wie mich eine fahrt über Schlaglochwege vor allem geistig fordert:

Du fährst mit deiner Rikscha auf einem 150 cm breiten Feldweg. Der hintere Radstand deiner Rikscha misst 107 cm. Auf dem vor dir liegenden Straßenabschnitt, es sind 7 Meter vom ersten bis zum letzten Loch, tauchen 9 Schlaglöcher mit einem gleichmäßig ansteigenden Durchmesser von 13cm bis 29 cm auf. Wie hoch ist die Wahrscheinlichkeit das du:
a) drei Löcher mit einem Rad
b) vier Löcher mit zwei Rädern
c) fünf Löcher mit allen drei Rädern durchfährst?

Berücksichtige hierbei den Stand deiner drei Räder in der Anordnung eines gleichschenkligen Dreieck mit Winkeln von Alpha 30 und betta 120 Grad. Sowie eine fahrgeschwindigkeit von 11,5 km/h die eine maximale Richtungsänderung von 23 Grad auf einem Meter Wegstrecke zulässt. Bedenke das sich drei der Löcher in einem Streckenabschnitt von einem Meter befinden und das zwei der Verbleibenden 7 Löcher den Wegesrand mit 35 Prozent ihrer Fläche überschreiten.

d) wie hoch ist die Wahrscheinlichkeit einer Achsvrrschiebung im Fall c bei einer zusätzlichen Geschwindigkeitsreduzierung um 4km/h?

Begründe deine Vorgehensweise mit zwei Sätzen.
Viel Erfolg!

(und eigentlich müsste jetzt hier noch drunter stehen: zum Bearbeiten der Aufgabe hast Du drei Sekunden Zeit, da die Reaktionszeit, die dir im wahren Leben, bei einer angenommenen Geschwindigkeit von 11 km/h fürs abwägen der aufgeführten Möglichkeiten, zur Verfügung Stände, genau dieser entspricht.)

Außerdem auf den Bildern:
Meine ersten Kilometer durchs Donautal, Verschiedenes, drei nette Damen und mein heutiges Nachtlager.

Bis bald!

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Über die Alb

Nun sitze ich auf einer Bank, im Schatten eines alten Ahornbaums und schaue hinab ins Tal, wo sich die Donau, einer blauen Schlange gleich, zwischen Wiesen, Bäumen und Feldern hindurch, ihren Weg nach Ulm sucht.
Nach der gestrigen Albüberquerung fehlte mir jegliche Kraft, so dass ich schon gegen 18 Uhr, auf einer Obstwiese mein Zelt aufschlug und kurz darauf in tiefen Schlaf sank.
Gestern hatte mein Wecker um sieben Uhr geklingelt und die Nordhänge der Schwäbischen Alb lagen, vom Morgennebel verhangen, vor mir. Das Thermometer zeigte acht Grad und ich war froh, mir dieses schöne Bild aus dem Wohnzimmerfenster der Familie Wallner betrachten zu können..
Um acht Uhr ging’s los. Christine und Johanna, beide leidenschaftliche Radfahrer und geübte Albaufsteiger, wollten mich begleiten und schieben helfen – erst später, als wir das Platteau der Alb erreichten, wurde mir klar, was mit die beiden für einen Gefallen getan hatten. Von Bad Urach ging’s die ersten 4 Kilometer bergan, mit einer Steigung, die ich nur fahren konnte, weil mich die beiden, auf Ihren Rädern sitzend, von links und rechts schoben. Dann hatten wir die Steige erreicht und es ging weitere 4 Kilometer, mit einer sieben prozentigen Steigung, auf den Rücken der Alb – nun mussten wir schieben.
Eine gute Stunde später hatten wir die Europäische Wasserscheide Donau / Rhein mit einer Höhe von 720 Metern über Null erreicht. Johanna begleitete mich noch, immer wieder schiebend, weitere 30 km, bis wir die buckligen wunderschönen Wiesen, Täler und Bäche der Alb passiert hatten und sich unsere Wege kurz vor Ehingen trennten.
Was für ein Akt.
Aber nach vielen Stunden des Tiefschlafs habe ich mich wieder erholt. Heute morgen gabs ein Milchkaffe, ein Croissant und ein Gastspiel auf dem Ehinger Marktplatz, wofür ich zwei Paar handgestrickte Socken, ein T-Shirt und eine Jacke, 6 Bananen, zwei belegte Käsebrötchen, ein Interview mit der Südwest Presse und dem Ehinger Tagblatt und noch weitere schöne Dinge erhielt.

Gleich mache ich mich auf. Die Sonne scheint und Ulm ist in Reichweite.

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Ein Heim am Hang und ein guter Ausblick in jeglicher Hinsicht.

Mit einem gepolter, dass von den Pferden her zu kommen schien, wurde ich aus meinen Träumen gerissen – richtig gut hatte ich sowieso nicht schlafen können, denn so wirklich wohl hatte ich mich in dieser Nacht nicht gefühlt, wozu die vorabendliche Ankunft bei Regen und völliger Dunkelheit sicher beigetragen hatte. Ein Blick auf die Uhr, kurz vor sieben, noch müde, doch die Sonnenstrahlen die mein Zelt erhellten, waren Motivation genug. Voller Spannung was mich draußen erwarten würde, kroch ich, über nasses Gras, aus dem Eingang. Es war ein wunderschöner Morgen nach einer verregneten Nacht, der Zirkus erwachte, die Fahnen wehten im Wind, das Zirkuszelt leuchtete in der Morgensonne und die letzten dunklen Wolken zogen ab. Der Anblick war wirklich beeindruckend. Nun sah ich auch, was in mir, von Zeit zu Zeit, stampfend und schnaubend allerlei Phantasien freigesetzt hatte. Drei Pferde schauten mich, die Ohren gespitzt, mit wirklich langen Gesichtern, prüfend an. Daneben zwei Ponys, einige Esel und Kamele – ich war zufrieden, denn das nun vor mir stehende Tier Ensemble, rundete, meine nächtlichen Akustikphantasien, zu einem in sich stimmigen Bild ab und alles schien nun einen Sinn zu ergeben.
Ich packte meine Sachen und verließ den Ort – der nun bei Tage, so verwunschen und friedlich vor mir lag.

Ich war gerade aufgebrochen, als mir der rechte Weg wieder einmal abhanden gekommen war. Doch da kam Dieter. Er nahm sich die Zeit um mich aus der Stadt hinaus und durch den nächsten Ort zu lotsen und erzählte mir manch spannende Geschichte.

Nun war ich auf dem richtigen Weg, immer Berg auf, an Flüssen entlang die mir nun kristallklar und wild sprudelnd entgegenrauschten und da gerade mal wieder eine Passage vor mir lag, bei der ans Fahren nicht zu denken war, schob ich den Karren vor mir her. Nun traf ich Caro und Claus. Wir kamen ins Gespräch und ich erzählte von meinen Plänen, die nun schon greifbar nah vor mir liegende Alb erklimmen zu wollen. Sie machten mir Mut und gaben mir ein gutes Stück Seil mit auf den Weg.

Ich näherte mich Bad Urach, dem letzten Ort vor der Steige in die Höh, als mich ein freundliches Pärchen zum Mittagessen einlud – eins kam zum andern und eh ich mich versah, befand ich mich in einem wunderbaren Haus am Hang, mit einer wahnsinns Aussicht:
1. Da stand ein phänomenales Mittagessen auf dem Tisch
2. Ein Schlafplatzangebot im eigenen Zimmer und Bett
3. Ein Abendessen sollte auch noch folgen
4. Als Fahrradfahrfamilie ist man hier mit jeder Steigung vertraut und man will mir morgen beim Albaufstieg helfen!!!
Deshalb muss ich jetzt schlafen, Kraft tanken, denn morgen früh um 7 klingelt der Wecker, dann geht’s aufi, von 400 auf 800 Meter, wo’s, wie’s die Einheimischen sagen: “Ein Kittel kälter ist”

Morgen Berichte ich dann wie es mit Christine, Karl-Heinz und Johanna Wallner, meiner traumhaften Gastfamilie, weiter ging.

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Geschwindigkeitsrausch und Zirkuspferde

Die letzten beiden Tage waren großartig! Gestern hatte ich meinen ersten Geschwindigkeitsrausch und heute liege ich, umringt von Zirkuswagen, auf einer großen Wiese in meinem Zelt.
Gestern gings von Nagold nach Herrenberg, das hieß zwei Stunden schieben, Berg auf, von 400 auf 600 Höhenmeter – oben angekommen gings dann Bergab, die große Talfahrt zum Fuße der Alb. Fast 40 Minuten rollte ich Richtung Herrenberg, stetig bergab, war das ein Gefühl! Zumal die Rikscha, einmal in Fahrt, ihre Geschwindigkeit auch auf geraden Stücken sehr lange hält – nun zahlt sich das hohe Gewicht doch noch aus.
In Herrenberg angekommen fand ich bei Familie Hahn / Haupt ein tolles Heim für die Nacht. Es gab einen Schuppen für die Rikscha, Bohnensalat, eine warme Dusche, ein Bett und eine Katze zum kuscheln.
Heute morgen nach dem Frühstück konnte ich mich dann mit einer Privatvorstellung, zu der sich noch einige Nachbarn gesellten, ein klein wenig revanchieren.
Dann ging’s nach Tübingen, immer noch bergab und mit Rückenwind. Die Tübinger waren weltklasse, ich wurde herzlich empfangen und das Royal String Theatre schien zu gefallen. Es gab tolle Begegnungen und ich durfte mich neben einigen Silberlingen über 1 kg Nektarinen, 4 Flaschen Bier und eine große Cola freuen.
Dann ging’s weiter, den Neckarradweg entlang, um zu dem Punkt zu gelangen, von dem meine Albüberquerung beginnen sollte. Ich fuhr und fuhr, es wurde später und später und kein Schlafplatz war in Sicht, dann wars dunkel und es begann zu regnen, und dann ging’s noch Berg auf… Und als ich dachte, so ein Mist, war ich übern Berg und auf der anderen Seite stand ein großes Zirkuszelt, mit vielen Wagen ringsherum, in denen noch vereinzelt licht brannte. Ich fragte an und durfte mein Zelt unter einem Apfelbaum, hinter den Tierwagen aufstellen. Nun prasselt der Regen aufs Dach, ab und an höre ich die Pferde schnauben und die Zirkushunde übers Gelände streunern und fühle mich wie in einer Fünf Freunde Geschichte.
Gute Nacht!

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